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 Bonsai-Info-Archiv
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 Wunden - Fräsen 03.06.2003 (22:39 Uhr) Anina
Hallo - ich noch mal,

habe in einem Bonsaibuch gelesen, dass dort die Schnittwunde mit einer Fräse ausgefräst wird. Dann soll das ganze scheinbar sehr gut und sauber verheilen.
Macht das Jemand von Euch oder hat es schon mal gemacht?

Was nimmt man denn da für Fräsköpfe?

Hmm - vielleicht weiß ja jemand Näheres.

Viele Grüße,

Anina
 Re: Wunden - Fräsen 04.06.2003 (00:10 Uhr) Hans Joachim Fix
> Hallo - ich noch mal,
> Hallo Anina
> habe in einem Bonsaibuch gelesen, dass dort die
> Schnittwunde mit einer Fräse ausgefräst wird. Dann soll
> das ganze scheinbar sehr gut und sauber verheilen.
Und das stand in einem Bonsaibuch ???
> Macht das Jemand von Euch oder hat es schon mal gemacht?
> Sweit ich das kenne, wird der Fräser von einigen "Baumvergewaltigern" bei der "Jin-Shari-Technik" angewendet.
Dabei wird mit dem Fräser ein Ast oder Stammteil so bearbeitet, daß der Baum einem uralten, von den Unbilden der Witterung gezeichneten Baum gleicht, also eine bestimmte Alterungstechnik.

Also ich schneide meine Äste und Zweige mit einer Konkav-Zange und habe damit völlig zufriedenstellende Ergebnisse. (die Wunde verheilt und verwächst  mit den Jahren völlig glatt)
Wichtig ist allerdings, die Wunde nach dem Schnitt mit Wundverschluß (künstliche Rinde) zu bestreichen.

Sicher bist Du aber schon viel mehr Profi als ich, da Du Dich ja um solche ausgefallenen Techniken bemühst.
Deshalb sollte wohl besser ein Profi seine Meinung sagen.

> Was nimmt man denn da für Fräsköpfe?
>
> Hmm - vielleicht weiß ja jemand Näheres.
>
> Viele Grüße,
>
> Anina
 Re: Wunden - Fräsen 06.06.2003 (21:05 Uhr) Uwe Harwardt
Hallo Anina,
hallo Hans-Joachim,

> Also ich schneide meine Äste und Zweige mit einer
> Konkav-Zange und habe damit völlig zufriedenstellende
> Ergebnisse. (die Wunde verheilt und verwächst mit den
> Jahren völlig glatt)
> Wichtig ist allerdings, die Wunde nach dem Schnitt mit
> Wundverschluß (künstliche Rinde) zu bestreichen.

Hier hat "Hajo" völlig recht - Konkavzange! Das ist das entscheidende Werkzeug, eine vom Baum gut zu schließende Wunde zu erhalten. Und natürlich sollte das offenliegende Holz mit einem geeigneten Mittel verschlossen werden. Ich nehme zum Beispiel Lac-Balsam, aber da scheiden sich die Geister. Der Verschluß des Holzes ist wichtig, damit kein Wasser eindringen kann. Mit dem Wasser kommen nämlich Mikroorganismen, welche das Holz zersetzen. Und faulendes Holz kann den ganzen Baum zerstören.
Sehr große Wunden können zusätzlich nach dem Schnitt mit der Konkavzange noch mit einem Messer weiter bearbeitet werden, Anleitungen dazu finden sich in umfangreicheren Fachbüchern, welche auch fortgeschrittene Techniken erläutern. Dabei wird die Wunde derart bearbeitet, daß sie sich nach unten verjüngt und kleiner wird. Zudem sollte das freiliegende Holz in der Mitte der Wunde leicht erhöht (konvex) sein. Ersteres führt zu einem schnelleren Zuheilen, das Zweite zu einem gleichmäßigen Zuheilen von allen Seiten zur Mitte, was wiederum zu einer möglichst ebenen Rindenstruktur beiträgt. Aber solche Arbeiten sind wohl tatsächlich erst bei sehr großen Wunden (und somit sehr großen Bäumen) notwendig.

> Sicher bist Du aber schon viel mehr Profi als ich, da Du
> Dich ja um solche ausgefallenen Techniken bemühst.
> Deshalb sollte wohl besser ein Profi seine Meinung sagen.

Nun stell mal Dein Licht nicht unter den Scheffel, "Hajo"! Dafür haben wir zu viele qualifizierte Antworten von Dir erhalten!

> > Was nimmt man denn da für Fräsköpfe?
> > Hmm - vielleicht weiß ja jemand Näheres.

Eine derartige Arbeit habe ich mal beobachten dürfen, aber nicht an einem Bonsai sondern an einer mehrere hundert Jahre alten Eiche. Dort gab es eine große Wunde, welche nicht künstlich verschlossen wurde. Viele Jahre (oder Jahrzehnte?) lag das Kernholz offen der Witterung ausgesetzt und war stark verfault bis nicht mehr vorhanden. Die Öffnung im Stamm war groß genug, daß ein Mann problemlos darin stehen konnte. Lediglich im Bereich der Rinde und des darunter liegenden Splintholzes gab es noch Leben. Diesen Baum galt es zu erhalten und ein Auseinanderbrechen zu verhindern. Also wurde mit großen Fräsen zuerst das ziemlich weiche faule Holz bis auf gesundes Material abgetragen. Danach wurde dieses intakte Holz mit motorgetriebenen Stecheisen geglättet und anschleißend mit einer bitumenartigen Masse vollständig eingestrichen und somit vor Feuchtigkeit geschützt. Abschließend hat man den Stamm, um Festigkeit zu erreichen, mit Beton ausgegossen.

Vorstellbar ist, daß man bei Yamadori mit alten unbehandelten Wunden ähnlich vorgehen kann, wenn die Baumgröße es ermöglicht. Man könnte faules Holz mit einem kleinen Fräser entfernen. Faules Holz ist sehr weich und man kann einen einfachen Holzfräser nehmen, angetrieben durch einen Dremel oder ähnliches. Dabei darf die Drehzahl nicht zu hoch werden. Inwieweit die bearbeitete Fläche aber glatt wird, kann ich nicht sagen. Sicher ist es von der Härte des Materials abhängig.
Eine Hochgeschwindigkeitsfräse auf einem Dremel erzeugt bei trockenem Savannenholz eine wirklich glatte Fläche, das habe ich bereits ausprobiert. Und ich habe ebenfalls festgestellt, daß weiches Kiefernholz (ebenfalls trocken) anschließend noch mit Schmirgel bearbeitet werden muß, um eine ähnlich glatte Oberfläche zu erreichen. Die langen, recht weichen Fasern der Kiefer wurden von der Fräse oftmals mehr gerissen als geschnitten. Sicher auch eine Frage der verwendeten Fräse sowie der Geschwindigkeit. In beiden Fällen kam es übrigens bei 27.000 upm und einem Fräskopf mit 8mm Durchmesser zu Verbrennungen des Holzes. Vielleicht mag ja mal jemand ausrechnen, mit welcher Geschwindigkeit sich die Messer durch das Holz fressen?

Jetzt habe ich mehr geschrieben, als ich eigentlich wollte. Naja, dann gibt es eben noch eine abschließende Bemerkung oben drauf: Ich persönlich würde niemandem raten, seinen Bonsai derart zu bearbeiten, es sei denn unter Anleitung eines "echten" Profis und wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren...

Uwe von Bonsaigestaltung.de
 Re: Wunden - Fräsen 06.06.2003 (21:39 Uhr) Anina
Hallo Uwe,

also vielen Dank für diese umfangreiche Antwort.
Ich glaube, ich hätte meine Frage vielleicht etwas konkreter stellen sollen (Hallo Hajo: ich finde Jin und Shari meistens auch deplaziert, aber deswegen von "Baumvergewaltigern" zu sprechen.. Das hören Menschen, die sich mit Bonsai allgemein beschäftigen allzu oft).

Gut - jetzt zum Fräsen: Ich habe einfach hin und wieder festgestellt, dass bei bestimmten Winkelstellungen des Astes die Konkavzange schlecht schneidet und nicht selten keinen konkaven Schnitt hinbekommt. Beim Verheilen entstehen hierdurch ziemliche Wülste (auch nicht unbedingt durch eine runde Konkavzange zu verhindern). Da ich das mit dem Fräsen gelesen habe - aber natürlich so meine Hemmungen habe (arme Bäumchen), hab ich mal gefragt. Meine Idee war einfach die Wunde nochmals LEICHT nach innen auszuhölen und mit einem sauberen Messer die Kallusränder anzuschneiden (das ist absolut üblich und regt die Wundverheilung erneut an).

Naja.
Zweitens: Wenn man die Krone eines Bonsai auf einen relativ weit unten liegenden Ast absetzen möchte, der dann zur Stammverlängerung wird, gibt es wohl auch die Möglichkeit mit einer Fräse den Stamm hinten etwas auszuhölen. Damit verhindert man, dass der Ast, der zur Verlängerung hochgedrahtet wird bricht. Weiterhin erfolgt so eine "Angleichung" des Übergangs vom Stamm zum Ast (neue Stammverlängeung).
All dies habe ich wie gesagt gelesen und es war (wie so oft in Bonsaibüchern) nicht sonderlich gut und ausführlich erklärt.

Nun denne, das nur nochmal zur Erläuterung..
("Wat hat die Frau da bloß vor, mit ner Fräääääseee!!!")

Dann muss ich wohl selbst probieren, an einem Stück Holz oder so. Erstmal

Grüße,

Anina

 Re: Wunden - Fräsen 07.06.2003 (13:11 Uhr) Falkner
SO,

Zeit das die Opposition ins Licht tritt.  :-)

Ich habe wirklich sehr gute Erfahrungen mit einem Dremel gemacht. Die Palette der Holrbearbeitungswerkzeuge ist reichlich und bietet für fast jeden Verwendungszweck etwas. Mit 1mm Fräsern kann man punktgenaue Schnitte Fabrizieren oder unhscön verwachsene SChnittstellen nacharbeiten. Wie jeder dann mit dem Gerät klarkommt ist immer os eine Sache.

Ich kann es jedenfalls nur weiterempfehlen.

MfG

Falkner

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