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 Bonsai-Info-Archiv
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 Schnitt bei Steineibe 26.10.2004 (16:09 Uhr) =>Christina
Hallo ihr Lieben!
Ich bin völliger Bonsai-Anfänger und habe mir am Wochenende in einem Obi-Baumarkt eine Steineibe gekauft. Auf dem Schildchen, das in die Erde gesteckt war, stand als Beschreibung nur "Bonsai", aber nach einigem Suchen im WWW bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es sich eben um eine Steineibe, genauer un eine Podocarpus macrophyllus handeln müsste.
Ich habe lange mit mir gekämpft, ob es überhaupt sinnvoll ist,den Baum zu kaufen, da ja keinerlei Informationen vorhanden waren. Mittlerweile habe ich aber schon eine ganze Menge gelesen und bin ganz guter Dinge.
Eine Sache ist mir bis jetzt aber noch nicht klar geworden. Man muss den Baum irgendwann mal schneiden, ok. Das ist klar. Aber was genau schneide ich denn da?? Einige Blätter meiner Steineibe sind eindeutig in der Mitte abgezwickt worden. Das sieht ziemlich doof aus, denn die "Schnittnarben" sind hässlich braun. Sollten die Blätter nicht besser unten am Stiel geschnitten werden, oder ist es ratsam die Blätter so zu halbieren?? Denn das sieht wie gesagt ziemlich doof aus.
Ich hoffe es kann mir jemand helfen!!
Viele Grüße, Christina
 Re: Schnitt bei Steineibe 29.10.2004 (13:30 Uhr) Andy-II
Hallo Christina

tut mir leid - irgendwie ist dein Anliegen etwas untergegangen. Aber in der Zwischenzeit wird deine Eibe ja nicht zum Mammutbaum geworden sein.

Erlaube, dass ich die Beantwortung deiner Frage etwas ausweite. Das Schneiden ist nämlich nur ein Gestaltungsschritt. Sicher sind dir bei deinen Recherchen auch andere Massnahmen begegnet: Umtopfen, Drahten, vielleicht auch Begriffe wie «Sari» tauchen da bald auf.

Der weitere Zusammenhang ist der: «Bonsai» wird oft scheu und ehrfurchtsvoll als etwas geheimnisvolle, mindestens aber sehr schwierige Kunst betrachtet. Dabei geht dann manchmal vergessen, dass es sich eigentlich um lauter Dinge handelt, die die Natur auch macht. Vergleichen wir mal:

Ein Topfbäumchen wächst in einer Schale - in der Natur gibts Bäumchen, die sich aus einem schmalen Spalt im Gestein zwängen.

Topfbäumchen werden gedrahtet, um den Zweigen die richtige Form zu geben - in der Natur liegt Schnee auf Ästen, der Wind drückt oder andere Pflanzen üben «Druck» aus.

Topfbäumchen werden geschnitten - in der Natur knabbern Tiere die frischen Knospen ab, der Blitz schlägt ein.

Du siehst - wir tun eigentlich nichts, was nicht eine Entsprechung draussen hätte. Höchstens das Schneiden der Wurzeln und das Gestalten des Baums nach ästhetischen Prinzipien ist etwas weit entfernt von solchen Vorgängen. Das mal als Beitrag zu einem grundsätzlichen Verständnis.

Jetz zum Schneiden deiner Eibe. Zuerst mal musst du deinen Baum immer als Ganzes anschauen. Manche vergessen nämlich den Teil unter der Erde. Wurzel und Grünmasse stehen aber in einem unmittelbaren Zusammenhang: Nur wenn es Wurzelwachstum gibt, kann es auch ein Wachstum der Triebe und Blätter geben. Und die Wurzeln müssen natürlich soviel Wasser und Nähstoffe liefern, wie oben verbraucht werden.

Für dich bedeutet das: Irgendwann wird es Zeit, den Baum mitsamt der Erde sorgfältig aus der Schale zu heben und zu prüfen, ob da noch Raum für Aktivität ist. Ideal ist für diese Arbeit der zeitige Frühling, wenn die Endknospen an den Trieben sich gerade öffnen. Dann beginnt das neue Jahr des Baumes und die gespeicherte Stärke ist aus den Wurzeln nach oben gebracht worden. Dann kann man die Wurzeln schneiden, ohne zu schaden.

Die Triebe kann man eigentlich immer schneiden. Es ist aber ein Fehler, den Topfbaum immer auf demselben Niveau halten zu wollen, wie es Anfänger manchmal machen. Vielmehr geht es darum, so in den natürlichen Wachstumsvorgang einzugreifen, dass der Baum immer wieder eine harmonische Form hat - auch wenn diese sich ändert.

Eiben wachsen langsam und stark «akroton». Das bedeutet, das Wachstum spielt sich vorallem an den Triebenden ab. Im Gegensatz zu einem Liguster zum Beispiel, der überall immer wieder neue Triebe entwickelt, ist die Steineibe da zurückhaltender. Wahrscheinlich erklärt das die komischen Schnitte, die du beschreibst: Da hat ein Gärtner die Endtriebe entfernt, was an sich nicht falsch ist. Vermutlich hat der Stundenlohn einfach nicht für eine saubere Arbeit gereicht.

Grundsätzlich schneidet man Triebe in der Nähe von Knospen, von denen aus dann der nächste Wachstumsschub geht. Bei Steineiben geht man eher vor wie bei Tannen: Die Triebe werden früh nach dem Öffnen gekürzt, was sie dichter werden lässt und das Wachstum der Nebentriebe fördert. Um zu wissen, welchen Trieb oder Ast du wo schneidest, braucht es ein bisschen Erfahrung und natürlich eine ungefähre Vorstellung, was für eine Form angestrebt wird.

Da Steineiben wie erwähnt langsam wachsen, wäre es vielleicht eine gute Idee, den Baum erstmal zu beobachten um zu erfahren, WIE er eigentlich so wächst. Du wirst dann bis zum nächsten Sommer sehen, wo er sich stärker entwickelt, wo weniger, wie eine Steineibe sich verzweigt, wie sich die Triebe strecken und und und. Das gibt dir Hinweise für den Schnitt. Versauen wirst du damit nichts, während im umgekehrten Fall weg ist, was weg ist...

In der Zwischenzeit (Bäumchen machen jetzt dann Pause, auch die Indoors schränken ihre Aktivität etwas ein über den Winter) kannst du dich ja mal mit einem Buch bewaffnen. Das empfehle ich eigentlich jedem. Zwei, die ich kenne und ganz gut finde sind:

«Bonsai - vom Grundkurs zum Meister»
von Horst Stahl. Sehr ausführlich, behandelt Indoor wie Outdoor. Dann gibts noch das «Zimmerbonsaibuch» von Wolfgang Kawollek. Beide kriegst du glaube ich bei Amazon, in beiden findest du viele Tipps zum Thema Erde, Schale, Dünger, Licht - was Bäumchen halt so brauchen.

Gruss
Andy
Zuletzt geändert von Andy-II am 29.10.2004 um 13:44 Uhr.
 Re: Schnitt bei Steineibe 30.10.2004 (12:31 Uhr) =>Christina
Hallo Andy!

Vielen Dank für deine Antwort! Du hast mir sehr geholfen!!

Ich glaube du hast Recht, ich sollte meine Eibe ersteinmal eine Zeit lang beobachten, bis ich an Schneiden denke, der Satz: "Versauen wirst du damit nichts, während im umgekehrten Fall weg ist, was weg ist..." gefällt mir besonders gut. Allerdings hat meine Mutter seit Jahren einen Bonsai (eine Birkenfeige - Ficus benjamina), der Mittlerweile ganz schön in die Höhe geschossen ist (er ist auf dem besten Weg ein Mammutbaum zu werden ;)), eben aus Angst zu viel abzuschneiden. Die Äste sind daher einfach viel zu lang geworden und besitzen ja auch nur an den "Astenden" ca. 8-10 Blätter. Wenn man das von dir angesprochene "harmonische Niveau" wieder herstellen würde, hätte der Baum gar keine Blätter mehr.
Ich hatte, glaube ich, einfach Angst, dass mir das mit meiner Eibe auch passieren könnte. Deswegen wollte ich mich rechtzeitig erkundigen, wie und wann man diese Bäume richtig scheidet.
Aber ich werde jetzt auf jeden Fall erst einmal abwarten und auch ein paar Fotos schießen. Denn dann kann ich bestimmt ganz gut sehen, wo, was, und wie mein Bäumchen gewachsen ist.

Ein Bonsaibuch besitze ich bereits. Es ist von Horst Stahl und heißt Zimmerbonsai - Miniaturbäume für das Fensterbrett.

Nochmals vielen dank und liebe Grüße, Christina
 Re: Schnitt bei Steineibe 01.11.2004 (09:53 Uhr) Andy-II
Hallo Christina

nur kurz nochmal wegen der Angst um die kahlen Bäume: Bäume und Sträucher sind meist in der (für uns beneidenswerten) Lage, zu regenerieren. Du kennst das bestens von Hecken her - auch eine fast kahlgeschorene Reihe von Hainbuchen- oder Buchstämmchen ist schnell wieder eine grüne Masse.

Der Ficus ist da nicht ganz so stark wie die Steineibe, aber auch er kanns: Wenn man einen Zweig kappt, wird mindestens aus der obersten verbliebenen Blattachsel bald ein neuer Trieb wachsen. Bei der Steineibe werden es sogar meist mehrere.

Viel Vergnügen weiterhin!

Gruss
Andy
 Re: Schnitt bei Steineibe 02.11.2004 (14:58 Uhr) =>Christina
Hallo Andy!
Verzeihung, dass ich mich jetzt erst zurück melde, aber ich hatte in den letzten Tagen Probleme mit dem Internet.

Nochmals vielen Dank für deine schnellen und hilfreichen Antworten!!!! Hast mir wirklich sehr geholfen!!

Meine Mutter hat jetzt vor, mit ihrem Ficus zu einem Fachmann zu gehen und sich noch mal richtig beraten zu lassen. Der wird sicherlich einen Schock bekommen und den Baum erst mal ratzekahl zurückschneiden.
Ich werde meine kleine Eibe erst mal weiterhin gießen, düngen, beobachten, usw., usw..

Nochmals vielen Dank und liebe Grüße aus Frankfurt, Christina
 Re: Schnitt bei Steineibe 02.11.2004 (15:16 Uhr) Andy-II
Hi Christina

danke für die Blumen - es war mir ein Vergnügen. Ich denke, dass du und deine Eibe klarkommen werden miteinander. Der Entscheid deiner Mutter klingt auch vernünftig - mich wunderts manchmal, wie schnell Leute mit einem Hund oder Kaninchen zum Veterinär gehen und wie wenig sie merken, dass ihr Bäumchen auch ein Lebewesen ist - erst noch eines, das nicht mal protestieren kann!

;o)

Gruss  aus Basel
Andy
 Re: Schnitt bei Steineibe 02.11.2004 (15:29 Uhr) =>Christina
Ja, du hast Recht! Den Vergleich finde ich interessant. Es stimmt schn, Pflanzen kommen oft viel zu kurz. Wer macht sich denn heute noch die Mühe irgendwelche Gartenpflanzen zu überwintern?? Meine Oma macht das immer mit ihren Geranien. ;) Und wenn ein Pflänzchen mal kränkelt, wird es nicht in die Mülltonne gesteckt, sondern wieder aufgepeppelt. Aber weißt du, dem Ficus geht es an sich ja gut, er ist halt nur etwas zu hoch geworden und meine Mutter hat Angst zu viel abzuschneiden.

Aber naja, mal abwarten was der Fachmann sagt.
Bye, Christina
 Re: Schnitt bei Steineibe 02.11.2004 (19:35 Uhr) aLeXx.b
das denke mir auch ab und zu mit dem doc für den baum aber was will man machen wenn man aus einer gegend kommt wo wirklich fast nix mit bonsais los ist
( ich rede mal satt vom HARZ )
und zu einem normalen blumen garten brauch man ja  gar nicht gehn ( zumin. wenn man schon selber schädlinge und der gleichen erkennt )

aber es gibt da immer fragen die mich beschäftigen, wie gestalltung und wie man am besten schneidet sein bestes stück.

klar gibt es ausreichent bücher die ich auch habe aber ein buch und das ware  leben sind ja nun einmal etwas anders oder ?!

achja  kleiner auf ruf ich will mal bilder von eueren bäumen sehn kann nicht mal jeder seine hochladen ?!

mfg aLeXx.b
 Re: Schnitt bei Steineibe 03.11.2004 (12:45 Uhr) Andy-II
Hi Alexx

vielleicht hilft dir ein Grafiker-Sprichwort weiter, das man den Lehrlingen und Fachschülern als Antwort gibt, wenn sie fragen, ob sie etwas so oder so oder ganz anders gestalten sollen:

«Gestalten heisst entscheiden».

Ob du richtig liegst, kann dir oft niemand sagen, da du eine von vielen denkbaren und grundsätzlich gleichberechtigten Lösungen gewählt hast. Im Herbst habe ich ein kleines Tännchen (eine Handbreit hoch) ausgebuddelt, ins Holzkistchen gesetzt und schon mal etwas geschnitten. Zwei «Haupttriebe» waren da - ich habe mich für eine Halbkaskade entschieden. Wenn mir jemand sagt, er hätte eher einen Doppelstamm gestaltet, gebe ich ihm gerne die Korrdinaten des Berghangs. Es hat noch viele Tännchen da...

:o)

Gruss
Andy

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